Die Zahnerhaltung hat in den letzten Jahrzehnten immense Fortschritte gemacht. „Seit ich vor 30 Jahren studiert habe, hat sich die Anzahl der Füllungen in Deutschland um 50 % reduziert“, ist Professor Frankenberger stolz auf sein Fachgebiet. Die Anzahl an Wurzelbehandlungen ging um 39 % zurück. „Das heißt, die Prävention der oralen Erkrankungen hat, ohne dass man es groß bemerkt hat, unwahrscheinlich gegriffen. Das ist fantastisch!“
Das Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Uni Marburg hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Hier erlernen angehende Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner die Disziplinen der Zahnerhaltung und Kinderzahnheilkunde, der Kieferorthopädie und Parodontologie sowie der Zahnärztlichen Prothetik. „Und natürlich ist auch die Zahnmedizin für den älter werdenden Menschen ein interdisziplinärer Bestandteil unserer Forschung und Ausbildung“ erklärt Professorin Heike Korbmacher-Steiner, Geschäftsführende Direktorin des Zentrums und Direktorin der Abteilung für Kieferorthopädie. „Das ist ein komplett neues Feld“, weiß die Professorin. Früher hatten die Menschen im Alter kaum noch eigene Zähne. Heute aber geht es weniger um das künstliche Gebiss im Glas: „Da hat ein Paradigmenwechsel im Fach stattgefunden“, erklärt sie. Hier muss aber gerade in der Pflege älterer Menschen noch viel Aufklärung erfolgen, mahnt Professor Ulrich Lotzman, Direktor der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik. „Der Bedarf an komplexer Prothetik im höheren Alter hat zugenommen und sowohl die eigenen als auch die von uns ersetzten Zähne benötigen eine permanente Fürsorge, um die Gesundheit der älteren Menschen zu erhalten.“
„Das ist das Paradoxon der Prophylaxe“, pflichtet Professorin Nicole Arweiler, Direktorin der Abteilung für Parodontologie, bei. „Wir erhalten Zähne bis ins hohe Alter, aber mit dem Alter wird die Zahnpflege zunehmend schwieriger.“